„Wenn der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Tornado auslösen kann, so kann er diesen Sturm auch verhindern“ (frei nach Edward Lorenz).

Bereits seit über 3 Jahren gibt es die Zusammenarbeit zwischen der Hans Thomann-Stiftung und GlobalSocial-network e.V. (www.globalsocial-network.org) aus Kaulsdorf bei Saalfeld in Thüringen, zur Unterstützung des Orquesta Sinfónica Juvenil de Santa Cruz de la Sierra, einem Jugendorchesters in Bolivien. Dass es in diesem, von Krisen geschütteltem Land ein Jugend-Sinfonie-Orchester gibt, stellt eine positive Ausnahme dar: Klassische Musik ist in Südamerika sonst nur den Eliten vorbehalten. Aber hier musizieren junge Leute aus allen Schichten. Und damit auch Jugendliche aus teils prekären Verhältnissen, die sonst nie Zugang zum Reichtum der Musik bekämen.

Nach dem Credo des GlobalSocial-network e.V. müssen aber zu wohltätigen Aktivitäten auch der Anspruch der Nachhaltigkeit kommen, sowie Bildung und internationale Kommunikation. Hier ist der Klangkörper ein Juwel unter den zahlreichen Projekten in vielen Ländern. Mit der Förderung junger Talente und mit Gratis-Konzerten gibt das Orquesta Sinfónica Juvenil Hoffnung und Optimismus an die Menschen zurück. So fanden in der Adventszeit 2024 Auftritte vor Straßen- und Heimkindern statt und sogar mit kleinen Kindern, deren Eltern im Gefängnis sind und die ebenfalls dort leben müssen (!), wurden involviert!

Im Advent 2025 proben die 54 hochbegabten Kinder an einem Vorhaben zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Boliviens von der Kolonialherrschaft durch Simón Bolívar. Denn noch immer ist das Land dreigeteilt: in Hochland, Tiefland & europäische Kultur. Mit teilweise Spannungen. Die bolivianische Messe „Brücke der Kulturen“ wird ein symphonisch-chorales Werk, das durch Musik die tiefe spirituelle, historische und kulturelle Vielfalt des Landes zum Ausdruck bringen möchte. Es basiert auf der Misanchej – der Messe in Quechua, einer indigenen Anden Hochland Sprache.

Das Projekt ist in erster Linie eine Hommage an den multikulturellen Reichtum Boliviens und eine Würdigung der indigenen, mestizischen und städtischen Gemeinschaften, die seit der Gründung der Republik zusammenleben und miteinander im Dialog stehen. Mit echter Volksfrömmigkeit der katholischen Konfession und dem Zauber der Musik steuern die Panflöten des Hochlandes, die Trommeln des Tieflandes & die barocken Motetten der Kolonialisten ihren Teil der Kunst bei, um mit einem versöhnlichen Werk Altes & Neues, aber auch die unterschiedlichen, geteilten Kulturen wieder zusammen zu führen. Die Performance soll auch ein internationales Vorbild sein, für Verständigung und das effektive Finden einer ausgleichenden Mitte!

Hier ist die Hans Thomann-Stiftung sehr zu loben, denn das Orchester musste dafür auch in Klang und Arrangement seine bisherigen Konditionen sprengen. Wer gewohnt ist, im Überfluss des Musikhauses oder im Online-Shop seine Artikel auszusuchen, kann gar nicht ermessen, wie es sich in einer Mangelwirtschaft anfühlt. In Bolivien sind selbst Violin-, Viola & Cellosaiten, Mundstücke, Blätter & Blattschrauben für Klarinetten und Saxophone oder auch Paukenfelle ein wahrer Schatz! Durch die großzügige Förderung der Stiftung wurde mit solch vermeintlichen Kleinigkeiten wirklich Großes bewirkt. Es ermöglichte dem Klangkörper auch qualitativ einen Riesenschritt nach vorn. Im Sommer wurden die Instrumentarien bei einer Jugendreise aus der Region Saalfeld nach Santa Cruz de la Sierra mitgenommen und übergeben. Ein Versand mit Post oder Paketdienst wäre nicht möglich gewesen. Die Jugendlichen haben sich überaus gefreut und alles mit glänzenden Augen ausgepackt. Sie danken herzlichst der Hans Thomann-Stiftung für die Unterstützung! Anfang Februar 2026 wird diese bolivianische Messe „Brücke der Kulturen“ auch in Deutschland aufgeführt.